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Gleiche Startbedingungen für Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen? Berufseinstiege und Karrierewege fünf Jahre nach dem Examen

 

Gegenstand:

Hochschulabsolventinnen und -absolventen haben formal die gleiche Qualifikation. Dennoch unterscheiden sie sich deutlich darin, wie sie diese Qualifikation in Arbeitsmarkterträge umsetzen. Dieses Projekt, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem europäischen Sozialfonds von Mai 2012 bis April 2013 gefördert wurde, zeichnet anhand der Daten des Bayerischen Absolventenpanels nach, wie sich Berufseinstieg und Berufsverläufe in den ersten fünf Jahren nach dem Abschuss zwischen Männern und Frauen unterscheiden und wo die Weichenstellungen für einen unterschiedlichen Berufserfolg liegen.

 

Aktueller Stand:

Die dem Projekt zugrunde liegenden Auswertungen der Erhebungen des Jahrgangs 2003/2004 des Bayerischen Absolventenpanels (BAP) sind abgeschlossen. Sie umfassen in der ersten Befragungswelle Daten von 2.988 und in der zweiten von 1.587 Personen. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2014 in einer Monographie mit dem Titel „Die geschlechtsspezifische Studienfachwahl und ihre Folgen für die Karriereentwicklung von Akademikerinnen und Akademikern“ veröffentlicht, die auf dem Abschlussbericht für das BMBF aufbaut.

 

Ergebnisse:

Männerfächer, Frauenfächer

Zunächst wurde untersucht, inwiefern die Wahl frauendominierter und männerdominierter Fächer eine Rolle für den Berufseinstieg und den weiteren Karriereverlauf von Männern und Frauen spielt. Berufseinstieg und Einkommen hängen stark mit dem studierten Fach zusammen, und die Studienfächer unterscheiden sich deutlich hinsichtlich des Anteils der Männer und der Frauen. Dabei werden in den männerdominierten Fächern sowohl beim Berufseinstieg als auch im weiteren Karriereverlauf meist bessere Gehälter erzielt.

 

Kein Vorteil für Absolventinnen in Männerfächern

Weiterhin wurde erforscht, ob Frauen in männerdominierten Fächern im Vergleich zu Männern in diesen Fächern eine höhere Wahrscheinlichkeit auf eine unbefristete Stelle und ein höheres Einkommen haben als in frauendominierten oder integrierten Fächern mit gleichen Geschlechteranteilen. Hier zeigt sich, dass Absolventinnen der männerdominierten Studienfächer gegenüber männlichen Absolventen der gleichen Studienfächer benachteiligt sind. Männer erhalten bei ihrer ersten Stelle deutlich häufiger einen unbefristeten Vertrag als Frauen. In den frauendominierten Fächern sowie denjenigen mit ausgeglichenen Geschlechteranteilen gibt es keine Unterschiede in Bezug auf den Abschluss eines unbefristeten Vertrags. Der sogenannte „Gender Wage Gap“, der Lohnunterschied von Männern und Frauen, ist innerhalb der männerdominierten Fächer am größten. Frauen verdienen um etwa 18 Prozent weniger als Männer. Nach fünf Jahren ist die Differenz mit neun Prozent geringer, aber immer noch deutlich. Zudem besteht eine Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Fächern mit gleichen Geschlechteranteilen. Innerhalb dieser Fächer ist die Einkommensdiskrepanz jedoch mit etwa fünf Prozent deutlich geringer als in den männerdominierten Fächern. Nach einiger Zeit verliert der „Gender Wage Gap“ seine statistische Signifikanz. In den frauendominierten Fächern finden sich Einkommensunterschiede von Männern und Frauen weder beim Berufseinstieg noch fünf Jahre danach.

 

Wege der Stellenfindung von Männern und Frauen

Männer nutzen häufiger als Frauen Kontakte aus dem Studium für ihre Stellensuche, z. B. aus Praktika oder studienbegleitenden Jobs. Dies tritt in frauen- und männerdominierten Fächern deutlich zutage, weniger jedoch in Fächern mit ausgewogenen Geschlechteranteilen. Das im Rahmen von Studierendenjobs oder Praktika erworbene Sozialkapital wird bei Männern in männerdominierten Berufen stärker mit der Aufnahme einer Stelle belohnt als bei Frauen.

 

Fazit: Geschlechterunterschiede sind in Männerfächern am deutlichsten

Frauen mit einem Studienabschluss in einem männerdominierten Fach haben beim Berufseinstieg schlechtere Startbedingungen in Bezug auf Vertragsgestaltung und Einkommen. Im Laufe der Zeit können Frauen dieses Defizit jedoch aufholen. Abbildung 10 zeigt die Einkommensunterschiede von Frauen und Männern in männerdominierten Fächern innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Berufseinstieg.

 

Abbildung: Prozentuale Abweichung des Bruttostundenlohns von Frauen im Vergleich zu dem von Männern in männerdominierten Fächern im Zeitverlauf

 

Vortrag:

Falk, Susanne; Kratz, Fabian; Müller, Christina (2013): Karrieresprungbretter und -hindernisse für Akademikerinnen. Expertenworkshop in München, 26.04.2013

 

Veröffentlichung:

Falk, Susanne; Kratz, Fabian; Müller, Christina (2013): Die geschlechtsspezifische Studienfachwahl und ihre Folgen für die Karriereentwicklung von Akademikerinnen und Akademikern. Abschlussbericht für das BMBF.  Erscheint demnächst als Studie zur Hochschulforschung 85.

 

Susanne Falk, Fabian Kratz, Christina Müller